Ein Festival der Taktstockmeister

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Musikfreunde,

wir stehen am Beginn einer ganz besonderen Spielzeit. Nach neun erfolgreichen Jahren unter der Leitung von Jonathan Darlington gehen die Duisburger Philharmoniker ausnahmsweise ohne Generalmusikdirektor in eine neue Saison. Für diese Herausforderung ist unser Orchester hervorragend aufgestellt: Sein vitaler Musiziergeist, seine stilistische Vielseitigkeit, seine ­Präzision und Klangkultur können sich nun in der Zusammenarbeit mit zwölf renommierten Gastdirigenten bestens bewähren.

Talente und Temperamente

Zwölf Gäste – das heißt auch: zwölf unterschiedliche Temperamente, Handschriften, Repertoire-Vorlieben. Es ist schon ein eindrucksvoller Reigen arrivierter Persönlichkeiten und faszinierender neuer Talente, der sich hier in den philharmonischen Konzerten präsentiert. Da ist der große Vladimir Spivakov, der die Musik seiner russischen Heimat stets idiomatisch zuverlässig, aber ohne Klischee präsentiert. Da ist der chinesische ­Maestro Muhai Tang, der den 200. Geburtstag von Franz Liszt mit uns feiert. Erstmals in Duisburg sind der Amerikaner Carl St. Clair, der Finne Ari Rasilainen und der aus Italien stammende Däne Giordano Bellincampi zu erleben – alle drei genießen auf den internationalen Podien größte Wertschätzung. Mit John Fiore und Axel Kober haben wir den ehemaligen und den derzeitigen Musikchef der ­Deutschen Oper am Rhein eingeladen.

So wenig es in der Kunst eine „Quotenregelung“ geben kann, so froh sind wir doch, auch wieder ein wenig am alten Vorurteil des Dirigentenberufs als reiner Männer­domäne kratzen zu können. So kehrt die estnische ­Dirigentin Anu Tali ans Pult der Duisburger Philharmoniker zurück, wo sie im März 2008 mit großem Erfolg debütierte. Aus Korea stammt die junge, eminent begabte Shi-Yeon Sung, die James Levine mit gutem Grund als Assistentin ans Boston Symphony Orchestra berief. Die historische Aufführungspraxis wird von unseren Phil­harmonikern mit besonderer Hingabe gepflegt – bei ­Konrad Junghänel und Enoch zu Guttenberg liegt sie in den besten Händen.
Auch unseren diesjährigen „Artist in Residence“ können wir als Gastdirigenten eines philharmonischen Doppelabends begrüßen. Stefan Vladar hat seine Karriere zwar als Pianist und legitimer Erbe der bedeutenden Wiener Klavierschule begonnen, ist aber seit fast zwei Jahrzehnten auch als Dirigent international erfolgreich. Mit seinem Mozart- und Bruckner-Programm, aber auch mit seinen solistischen und kammermusikalischen Beiträgen führt er uns ins Zentrum der großen österreichischen Musiktradition.

Lebensfeier und Totenklage

Ein besonderer Schwerpunkt im philharmonischen ­Programm gilt diesmal der Vokalmusik. Die „Primadonna assoluta“ Lucia Aliberti hält mit einer rauschenden Operngala Hof; die Mezzosopranistin Eva Vogel widmet sich den feinen Pastelltönen der französischen Lied­romantik. Anna Virovlansky und Hans Christoph ­Begemann ­stehen dem philharmonischen chor duisburg bei der sanften Totenklage des Fauré-Requiems zur Seite. Jörg ­Dürmüller und Klaus Mertens besingen gemeinsam mit der Chorgemeinschaft Neubeuern die Freuden des ein­fachen Lebens in Haydns „Jahreszeiten“.

Unsere Philharmoniker haben Pate gestanden, als Frank Peter Zimmermann von seiner Heimatstadt Duisburg aus zu einer imposanten Weltkarriere aufbrach. Das könnte sich nun in der nächsten Generation wiederholen: Sein Sohn Serge Zimmermann ist als Geiger bereits auf steilem Erfolgskurs. Das gilt auch für den jungen tschechischen Pianisten Lukáš Vondráček, der von Vladimir Ashkenazy gefördert wurde. Den Sprung in die Weltkarriere hat der Cellist Daniel Müller-Schott bereits geschafft – wir konnten ihn nicht nur als Solisten, sondern auch als Lehrer für den renommierten Duisburger Meisterkurs gewinnen. In guter Tradition stellen sich auch wieder zwei Mitglieder der Duisburger Philharmoniker als Solisten vor. Diesmal sind es der Flötist Stephan Dreizehnter und der Cellist Fulbert Slenczka, die eindrucksvoll belegen, welches Potential an Virtuosität und markantem künstlerischem Profil unser Orchester beherbergt.

Das weiß man natürlich auch außerhalb der Stadt. So wurden die Duisburger Philharmoniker ein weiteres Mal für ein zentrales Projekt der Ruhrtriennale engagiert. Unter der Leitung von Kirill Petrenko, einem der führenden ­Dirigenten unserer Zeit, spielen sie Richard ­Wagners „Tristan und Isolde“ mit einer internationalen Star­besetzung; Regie führt Triennale-Chef Willy Decker. Auch zu den Ludwigsburger Schlossfestspielen und dem internationalen Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“ der Bertels­mann-Stiftung wurde unser Orchester wieder eingeladen. Offenbar genießen die Duisburger Phil­harmoniker in der internationalen Gesangs- und Opernszene ein hohes Ansehen. Und das zu Recht: Mit ihrer Wachheit, Umsicht und Sensibilität bei der schwierigen Arbeit im Orchestergraben tragen sie entscheidend zum guten, weithin ausstrahlenden Ruf der „Deutschen Oper am Rhein“ bei.

Klingende Zeitgeschichte

Der Einsatz für die zeitgenössische Musik ist bei den Duisburger Philharmonikern nicht Pflichtübung, sondern Leidenschaft. Auch in dieser Spielzeit halten wir ­wieder spannende Novitäten für Sie bereit. Da ist zunächst das „Grand Concerto 4 Tubas“ von John ­Stevens, das als Auftrags­werk der Duisburger und ­Dresdner ­Phil­harmoniker sowie der Bamberger Symphoniker ­entstand. Das ungewöhnliche Werk ist – wie schon der hintersinnige Titel verrät – mit einer gehörigen Prise Virtuosität und Esprit gewürzt. Dafür bürgen auch die vier Herren des Melton Tuba ­Quartetts, die das gewichtige Werk in ­Duisburg aus der Taufe wuchten. Die zweite Welt­uraufführung gilt einem Oratorium im Gedenken an den Essener Widerstandskämpfer Nikolaus Groß. Die Musik schrieb Stefan Heucke, der zu den wichtigsten deutschen Komponisten unserer Zeit gehört. Nach der Duisburger Premiere ist das bewegende Werk auch in der Essener Philharmonie zu erleben.

Mit der „Knienden“ von Wilhelm Lehmbruck entstand 1911 eine der bedeutendsten Skulpturen des Expressionismus. Flankierend zur Ausstellung „100 Jahre ­Lehmbrucks Kniende – Paris 1911“ im Lehmbruck­Museum haben wir eine Reihe von Werken ins Programm genommen, in denen das gärende Klima jener Epoche sinnfällig greifbar wird. Das weite ­Spektrum reicht von der sensitiven Klanglichkeit in Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“ und Strawinskys „­Feuervogel“ bis zu den zerschlagenen Formen der ­frühen Orchesterstücke von Anton Webern. Sein klassizistisches Meisterwerk „Le Tombeau de Couperin“ widmete Maurice Ravel seinen gefallenen Kameraden des ersten Weltkriegs – jener weltgeschichtlichen Katastrophe, die auch ­Wilhelm Lehmbruck zu erschütternden Werken inspirierte. Eine Kammerkonzert-Reihe im LehmbruckMuseum ­beleuchtet in ganz unterschiedlichen Facetten das Umfeld, das der Künstler um 1910 in Paris vorfand. Das ausführliche Programm der Museumskonzerte, die in Kooperation mit den Duisburger Philharmonikern ver­anstaltet werden, finden Sie hier im „play!“ (als PDF zum Herunterladen oder online betrachten, ca. 10MB).

Rauschende Feste

Die besondere Atmosphäre dieser nervös-kreativen ­Epoche wird auch greifbar, wenn das Trio di Clarone im September die Reihe der Duisburger Kammerkonzerte eröffnet. Die zehn Termine am frühen Sonntagabend locken Kammermusik-Freunde der Region wieder mit glanzvollen Namen und attraktiven Programmen in die Philharmonie Mercatorhalle. Hier hat traditionell auch die Alte Musik ihren festen Platz. So feiert ­Dorothee ­Oberlinger, die „Königin der Blockflöte“, mit ihren ­Freunden vom Ensemble Lyriarte ein rauschendes Fest der ­italienischen Musik. Die wunderbare Sopranistin ­Dorothee Mields und die illustre Gruppe „Sirius Viols“ um die Gambistin Hille Perl huldigen dem englischen Barockmeister John Dowland. Mit dem Nash Ensemble ist eine der nobelsten Kammermusik-Formationen des britischen Inselreichs bei uns zu Gast. Das junge Delian Quartett lädt gemeinsam mit dem Starschauspieler Bruno Ganz zu einer literarisch-musikalischen Soiree. Mit dem Cellisten Adrian Brendel und dem Pianisten Kit Armstrong ­konnten wir eines der ­aufregendsten Duos der jungen europäischen Musikszene nach Duisburg holen. Stefan Vladar, unser „Artist in Residence“, hat seinen alten Freund, den Weltklasse-Bariton Bo Skovhus eingeladen. Weitere ­pianistische Sternstunden erwarten uns beim Abend mit Severin von Eckardstein und natürlich auch beim „Piano Extra“ mit Till Engel und seinem Meisterschüler Benedikt ter Braak.

Dass wir Ihnen diese Begegnungen ermöglichen ­können, dass Sie Persönlichkeiten, von denen man allenthalben in der musikalischen Welt spricht, in Duisburg hautnah erleben – das ist nur durch die tatkräftige Unter­stützung unserer Sponsoren möglich. Sie tragen auch ent­scheidend zum anhaltenden Erfolg unseres konzert­pädagogischen Projekts „klasse.klassik“ bei. Bürgersinn, soziale Verantwortung und tätiges Miteinander machen unsere Stadt lebenswert. Musik für diese Stadt zu gestalten, ihre Säle mit Klang zu füllen, ist ein Privileg, das uns immer wieder motiviert und begeistert. Seien Sie dabei!

Ihr Dr. Alfred Wendel, Intendant

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalenklasse.klassik, die Education-Abteilung der Duisburger Philharmoniker

Aktuelles

Alle Artikel anzeigen >>

Social Media

Deutsche Oper am Rhein Theater Duisburg

Unsere Sponsoren

Sponsoren der Duisburger Philharmoniker