Interfaces-Finale

Am 08. und 09. Juli 2010 sind die beiden Vorstellungen im Rahmen des Interfaces-Projektes von ART at WORK und den Duisburger Philharmonikern über die Bühne gegangen. Damit hat eines der ambitioniertesten und größten internationalen Kulturhauptstadtprojekte Ruhr 2010 mit jugendlichen Amateur- und Profimusikern seinen überwältigenden Abschluss gefunden.

400 Jugendliche aus Chile, Finnland, Belarus und aus dem multikulturellen Ruhrgebiet haben sich seit einem halben Jahr auf das Finale vorbereitet.
Montags fand die erste Probe der jungen Musiker, Tänzer und Sänger gemeinsam mit den Duisburger Philharmonikern statt. Ein unglaubliches Gewimmel auf der Bühne, in den Räumen und Gängen des Theaters am Marientor ließ für einige Momente die Befürchtung aufkommen, das ganze Projekt würde im Chaos versinken. Aber schon bei der zweiten Probe am Abend waren alle Koordinationsprobleme technischer und künstlerischer Natur überwunden.

In drei Tagen intensivster Probenarbeit wurden die Versatzstücke der Produktion zu einem großen Bild zusammengefügt und die jugendlichen Musik- , Tanz-, Theatergruppen und Chöre aus unterschiedlichen Kulturkreisen und sozialen Umgebungen verschmolzen zu einem großen Ensemble. Hier war Integration auf allen Ebenen zu erleben.

Nicht nur was die künstlerische Klarheit, Koordinations- und Begeisterungsfähigkeit betrifft, hat sich der junge estnische Dirigent Hendrik Vestmann als ideale Besetzung für die musikalische Leitung erwiesen. Auch die Tatsache, dass er außer Deutsch auch Russisch und Finnisch beherrscht, war eine glückliche Fügung, weil die Kommunikation innerhalb des internationalen Ensembles wesentlich bescheunigt und erleichtert wurde.
Die Musiker aus La Ligua hatten Dolmetscher dabei, die ins Spanische übersetzten.
Darüber hinaus hat sich wieder einmall die Musik als universale Sprache erwiesen, die Brücken über alle Unterschiedlichkeiten schlägt.

Looking for Paradies – die Suche nach dem Glück – ist für junge Erwachsene ein ständiges und oftmals schwieriges Thema. In der Vorbereitungsphase haben sie selbst die Fragen und Themen zu diesem Komplex entwickelt, die schließlich facettenreich und eindrucksvoll auf die Bühne kamen:

Wo komme ich her? – Wo will ich hin? Wer sind meine Freunde, wie finde ich Sie, auf wen kann ich mich verlassen? Fragen nach der Berufswahl, Konflikte mit den Eltern, Erfahrungen von Liebe oder Sexualität, Mobbing, Verzweiflung, all das bewegt junge Menschen und wirkt nicht selten verwirrend. Das Interfacesprojekt hat den Akteuren gezeigt, das Kunst eine Möglichkeit ist, sich mit den Problemen des Daseins auseinanderzusetzen, dabei seine eigenen Positionen zu bestimmen und schließlich Wege für sich selbst zu finden. Vielleicht nicht gleich ins Paradies, aber durchs Leben.

Dies geschafft zu haben ist eines der wesentlichen Resultate von Interfaces. Nebenbei wurden von den jungen Mitstreitern noch einige Tugenden wie Durchhaltevermögen und Disziplin geübt. Kurzum, dieses Projekt war aller Mühen wert, weil es für alle Teilnehmer etwas Bleibendes bewirkt hat. Alle Mitwirkenden können wahrhaft stolz sein, gemeinsam eine solch vielschichtige und mitreißende Performance realisiert zu haben. Das gigantische Schlussbild zum Final-Song „Finde Deinen Weg“ mit allen Sängern und Ensembles zugleich wird jedem, der dabei war unvergesslich sein.

In musikalischer Hinsicht hat die Mitwirkung der  Duisburger Philharmoniker sicher für viele Jugendliche auf der Bühne und im Publikum Tore zu neuen Musikwelten geöffnet.
Wahrscheinlich haben nicht wenige von Ihnen noch nie ein Symphonieorchester live erlebt, geschweige denn, mit ihm gemeinsam auf der Bühne gestanden. Die Musik von Philipp Glass, Alexander Mossolow, Igor Strawinsky und Erich Wolfgang Korngold sind in der Kombination mit Weltmusik, Rock und Rap ihat mit ihrer emotionalen Kraft Akteure und Zuhörerberührt. Im Optimalfall könnten durch Interfaces 3.000 neue junge Klassikfans gewonnen worden sein. Wir hoffen, einige von Ihnen demnächst im Konzertsaal wiederzusehen.

Interfaces
Internationale Musik-Tanz-Theaterproduktion
8. / 9. Juli 2010 Theater am Marientor
Hendrik  Vestmann (Estland) musikalische Leitung
Gracias Devaraj (Indien) Konzept und Regie
Claude De Souza (Westafrika) und Ulla Weltike (Duisburg) Choreographie
Matthias Schlothfeldt (Essen) Komposition/Arrangement
Kerstin Gennet (Essen) Chorleitung

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalenklasse.klassik, die Education-Abteilung der Duisburger Philharmoniker

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