Duisburg – Hafen der Kulturhauptstadt
Im September 2009 eröffnen die Duisburger Philharmoniker zum dritten Mal eine Konzertsaison in ihrem neuen Heim, der Philharmonie Mercatorhalle Duisburg. Die akustischen Qualitäten des Saales, seine hohe Funktionalität und Eleganz werden nicht nur von unseren Musikern und gastierenden Künstlern immer wieder betont. Aus vielen Gesprächen und Briefen wissen wir, dass auch Sie, unser Publikum, sich hier ausgesprochen wohl fühlen; und die stetig wachsende Auslastung der Konzerte spricht ja eine eigene, sozusagen objektive Sprache. Die Philharmonie Mercatorhalle reiht sich würdig ein in den Kreis jener großen Konzertsäle an Rhein und Ruhr, die eine geschlossene, weithin wirksame und höchst lebendige Kulturregion repräsentieren – eine Region, die mit dem Projekt Kulturhauptstadt RUHR 2010 auch internationale Ausstrahlung bekommt.
Einzug der Königin
Ein letztes Teilstück fehlt allerdings noch an der Vollendung unseres wunderbaren Konzertsaales, denn nach wie vor klafft an der Stirnseite, über dem Podium, eine Lücke. Sie wird im November 2009 mit einer neuen großen Konzertorgel aus dem Hause der traditionsreichen und höchst angesehenen Bautzener Orgelbaufirma Hermann Eule geschlossen. Die Mitglieder unserer Orgelkommission haben dieses Projekt mit großer Sorgfalt und Umsicht verfolgt; schließlich sollte sich das Instrument optisch und akustisch perfekt mit dem Saal verbinden. Viele Entwürfe wurden diskutiert, zahllose akustische Messungen vorgenommen, bevor das Modell entwickelt war, dessen Umsetzung wir alle mit großer Erwartung entgegensehen: eine Konzertorgel im englischen Stil, wie sie auf dem europäischen Kontinent kein zweites Mal zu finden ist. Zur Einweihung am 14. November und für das nachfolgende Philharmonische Konzert haben wir mit Iveta Apkalna, Thomas Trotter und Wayne Marshall gleich drei weltweit gefeierte Orgelkapazitäten eingeladen, die die „Königin der Instrumente“ mit ihren farbenreichen 61 Registern nach allen Regeln organistischer Kunst zum Klingen bringen werden. Für das königliche Geschenk möchten wir uns schon an dieser Stelle aufs herzlichste bei Herrn Prof. Dr. h. c. mult. Berthold Beitz und der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung bedanken.
Musik verbindet
Die Orgel-Einweihung ist ohne Zweifel das bedeutendste Ereignis der Konzertsaison 2009/2010, aber es wird noch einige weitere Glanzlichter geben. Nach der erfolgreichen China-Tournee im Oktober 2007 sind die Philharmoniker im Frühsommer 2009 wieder unterwegs; diesmal in einer Region Europas, die in den letzten zwei Jahrzehnten einen enormen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung verzeichnen konnte. Wir reisen nach Vilnius – Hauptstadt Litauens, Kulturhauptstadt Europas 2009 und seit einem Vierteljahrhundert Duisburgs Partnerstadt. Auf dem Weg dorthin machen wir zu zwei Konzerten in Polen Station – in Bialystok und in Bydgoszcz (Bromberg), mit dem sich für Polen und Deutsche dunkle, bedrückende Kriegserinnerungen verbinden. An diesem Besuch ist uns auch aus Gründen der deutsch-polnischen Völkerverständigung sehr viel gelegen.
Mit besonderer Freude sind die Duisburger Philharmoniker auch wieder in den nordrhein-westfälischen Nachbarstädten zu Gast; darüber hinaus wurden sie ein weiteres Mal eingeladen, die Finalrunden des renommierten Gütersloher Gesangswettbewerbs NEUE STIMMEN zu begleiten. Und wenn das Orchester nicht selbst reist, dann reisen seine Aufnahmen: Die neuen CD-Veröffentlichungen für das audiophile Label Acousence machen auf dem Schallplattenmarkt Furore und werden von der internationalen Kritik mit großem Lob bedacht. Diese Wertschätzung ist für das Ansehen unseres Orchesters in der Musikwelt von größter Bedeutung.
Den Kern unserer Aktivitäten bildet – neben den regelmäßigen Auftritten im Orchestergraben der Deutschen Oper am Rhein – aber natürlich wieder der Zyklus der zwölf Philharmonischen Konzerte. Auch in der Spielzeit 2009/2010 erwartet Sie hier kein buntes Allerlei des sinfonischen Repertoires, sondern ein mit stimmiger Dramaturgie geformtes, von klaren thematischen Leitlinien durchzogenes Spielplan-Konzept. Das Kulturhauptstadt- Jahr mit seinen vielfältigen Projekten spiegelt sich hier gleich mehrfach. Als „Hafen der Kulturhauptstadt“ steht Duisburg für die Verbindung der Region mit der Welt – und über gut 250 Rheinkilometer hinweg auch mit den Weltmeeren. Diese Idee spiegeln wir in einem Programm- Schwerpunkt, der „maritime“ Musik aus verschiedenen Kulturkreisen umfasst – von den „Okeaniden“, jenen mythischen Meeresnymphen, die Jean Sibelius besingt, über bildstarke Klangfresken wie Claude Debussys „La Mer“ und Benjamin Brittens „Sea Interludes“ bis hin zu Ralph Vaughan Williams’ „A Sea Symphony“, einer monumentalen Apotheose der Meereswelt, wie sie wohl nur ein britischer Komponist schreiben konnte.
Neue Musik für eine Metropole
Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres schließen sich die Musikinstitutionen der Region zusammen, um das Schaffen Hans Werner Henzes facettenreich zu beleuchten. Der aus Westfalen stammende, seit langem in Italien lebende Komponist hat im konfliktreichen Wechselspiel von Tradition und Avantgarde ein eindrucksvolles Lebenswerk geschaffen, das in besonderer Weise vom Geist des Theaters inspiriert ist – hörbar auch in den drei Werken, die im Rahmen der Philharmonischen Konzerte erklingen und eine schöpferische Zeitspanne von gut 40 Jahren umfassen. Weitere spezielle Kulturhauptstadtprojekte finden Sie im vorliegenden Play! beschrieben. Natürlich schlagen sich auch die wichtigen Gedenktage des Jahres 2009 wieder in unserer Programmplanung nieder. Nachdem wir Felix Mendelssohn Bartholdy bereits in der vergangenen Spielzeit mit einer Aufführung des „Elias“ geehrt hatten, gilt diesmal eine große Oratorien-Produktion der „Schöpfung“ von Joseph Haydn. Dazu begrüßen wir neben drei Solisten der Spitzenklasse zum ersten Mal in Duisburg den Christ Church Cathedral Choir Oxford, einen der angesehensten britischen Knabenchöre, der von Stephen Darlington geleitet wird. Dieser Besuch ermöglicht zugleich ein Familientreffen besonderer Art: Erstmals werden die Brüder Stephen und Jonathan Darlington in einem gemeinsamen Musikprojekt zusammenarbeiten.
Auf das Mendelssohn-Jahr 2009 folgt das Schumann- Jahr 2010, das gerade im Rheinland, Schumanns schmerzvoll-unglückhafter Wirkungsstätte, große Bedeutung hat. Wir gedenken beider Komponisten mit Orchesterwerken, die eher selten auf den Programmen zu finden sind: Mendelssohns Reformationssinfonie und Schumanns Ouvertüre, Scherzo und Finale stehen ganz zu Unrecht im Schatten der populären sinfonischen Werke beider Meister.
Junge Virtuosen
Die Reihe „Große Geiger in Duisburg“ hat den Musikfreunden der Region in der vergangenen Spielzeit die Begegnung mit vier Violinvirtuosen der Weltspitze ermöglicht. Diese Reihe setzen wir nun mit vier Geigerinnen von internationalem Rang fort. Neben Baiba Skride, Isabelle Faust und Frederieke Saeijs begrüßen wir die deutschjapanische Geigerin Susanna Yoko Henkel, die darüber hinaus als „Artist in Residence“ vielfältig im Einsatz ist.
Junge Künstler, die sich in der Musikwelt bereits einen Namen gemacht haben, sind in Duisburg immer besonders willkommen. Diesmal freuen wir uns auf den sensationell erfolgreichen Nachwuchs-Dirigenten Eugene Tzigane und den vielfach preisgekrönten Pianisten Clemens Berg. Ein Kind der Stadt Duisburg ist der 1980 geborene Komponist Hauke Jasper Berheide, der kürzlich den Förderpreis des Landes NRW erhielt. Die Duisburger Philharmoniker, die sich immer wieder für die Träger dieser wichtigen Auszeichnung einsetzen, haben dem Trojahn-Schüler einen Kompositionsauftrag erteilt und werden ein großes Orchesterwerk aus seiner Feder zur Uraufführung bringen.
Mit Ingar Bergby, André de Ridder und Andreas Stoehr sind drei markante Vertreter der jüngeren Dirigenten- Generation in Duisburg zu Gast. Unter den Solisten begrüßen wir Künstlerpersönlichkeiten vom Range des Bratschers Lars Anders Tomter, der Mezzosopranistin Annette Seiltgen oder des Pianisten Michael Roll, der sich in diesem Jahr aus seiner langjährigen und erfolgreichen Lehrtätigkeit an der Folkwang Hochschule Essen-Duisburg in den Ruhestand verabschiedet.
Begegnungen mit Europa
Besonders aufschlussreich ist immer wieder die Begegnung mit Interpreten, die Musik ihrer Heimat mit nach Duisburg bringen. So macht uns Ingar Bergby mit einem Bratschenkonzert des Norwegers Ragnar Söderlind bekannt, der große polnische Maestro Antoni Wit dirigiert Kilar und Lutos³awski. Dass es einen „holländischen Beethoven“ in Gestalt des Komponisten Johann Wilhelm Wilms gegeben hat, darüber informiert der niederländische Dirigent und Barock-Experte Jan Willem de Vriend. Auf diese Weise lernen wir musikalische Traditionen und stilistische Strömungen kennen, die unser Bild der europäischen Musiklandschaft ungemein bereichern.
Freundschaften pflegen
Das gilt natürlich in gleicher Weise auch für die Reihe der Duisburger Kammerkonzerte, die nach ihrem Umzug in die Philharmonie Mercatorhalle noch mehr Zuspruch finden als zuvor. Auch hier können wir in der Konzertsaison 2009/2010 wieder Interpreten von Weltruf begrüßen und anregende Entdeckungen im Repertoire machen – so etwa bei der Konfrontation Alter und Neuer Musik durch das Hilliard Ensemble und das Arditti Quartet. Als Klavierbegleiter unseres „Artist in Residence“, der Geigerin Susanna Yoko Henkel, lernen wir den hoch renommierten israelischen Pianisten Itamar Golan kennen. Unser neuer Bechstein-Konzertflügel erfreut sich aufgrund der Wärme und Farbigkeit seines Klangs bei den Pianisten größter Beliebtheit. Wir werden das edle Instrument zukünftig in jeder Spielzeit mit einem eigenen „Bechstein Klavierabend“ besonders herausstellen. Den Anfang macht Denys Proshayev, der sich dem Duisburger Publikum bereits beim Abschlusskonzert des WDR Musikfestes 2008 als glanzvoller Virtuose präsentiert hat.
Langjährige Beziehungen aufbauen, Freundschaften zu Künstlern pflegen – das möchten wir auch weiterhin mit dieser Reihe, die uns diesmal die Wiederbegegnung mit dem fabelhaften Liedtrio Stella Doufexis, Pauline Sachse und Markus Hadulla beschert, mit dem ehemaligen „Artist in Residence“ Antoine Tamestit und dem Cellisten Claudio Bohorquez, der bei der Einweihung der Philharmonie Mercatorhalle dabei war. Und wir sind ganz zuversichtlich, dass es auch mit den vier temperamentvollen Damen des Klenke Quartetts zu einem Wiedersehen kommen wird. Mit den Professoren und Studierenden der Folkwang Hochschule verbindet uns im Rahmen von „Piano Extra“ ohnehin eine dauerhafte Zusammenarbeit. Den Beginn der meist sonntäglichen Kammerkonzerte haben wir vielfachem Wunsch entsprechend auf 19.00 Uhr vorverlegt.
Wir möchten Sie einladen, all diese spannenden und beglückenden Konzerterlebnisse auch in der Spielzeit 2009/2010 wieder mit uns zu teilen!



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